Montag, 18. Oktober 2010
Bericht vom 6. Todd-AO-Festival 2010 (2)
Fortsetzung des Beitrags »Bericht vom 6. Todd-AO ...«
Samstag, 2. Oktober 2010
9.00 Uhr Frühstücksbuffet
Zu Hause einen schnellen Kaffee gekippt, ins Auto gesprungen und ab zum Frühstücksbuffet am Samstagmorgen. Warum gibt es in der Schauburg keine Matrazenlager?
Grease
Der coolste Typ der Schulgang (John Travolta) verliebt sich in die fade Sandy (Olivia Newton-John), was er vor seinen Kumpanen nicht zugeben kann. Nach einigen Verwicklungen, zu vielen Gesangs- und Tanznummern kriegt sie ihn natürlich doch.
Ich habe mich wirklich bemüht, den Film zu mögen. Hat nicht geklappt. Für ihre Rollen zu alte Darsteller (einer davon auch noch Travolta) mit Schmalztolle, Lederjacken, aufgekrempelten Jeans, weißen Socken und Converse-Turnschuhen, die Cheerleaderinnen in wadenlangen Röcken - und dann diese Discomusik. Vielleicht lags auch an der frühen Tageszeit.
Die Tanzszenen sind natürlich perfekt, der Hit »You're the one that I want« macht Spaß auf der großen Leinwand und man bekommt einen Eindruck, was die Lautsprecheranlage leisten kann. Lustig auch die Anspielung auf »Ben Hur« beim Autorennen (»griechischer Wagen«) und das Glockenspiel, das den Schulgong ersetzt. Das Bild war etwas grieselig, der Sound dafür in 6-Kanal-Dolby-Stereo-Magnetton überwältigend.
»Grease« (USA 1978)
Darsteller: John Travolta (Danny), Olivia Newton-John (Sandy)
Buch: Bronte Woodard, Allan Carr nach dem Musical von Jim Jacobs und Warren Casey
Fotografie: Bill Buttler
Montage: John F. Burnett
Musik: Jim Jacobs, Warren Casey, Barry Gibb, John Farrar, Scott J. Simon, Louis St. Louis
Regie: Randal Kleiser
aufgenommen in 35mm Panavision Anamorphic, englischsprachige Erstaufführungskopie in 70mm mit 6-Kanal Dolby Stereo Magnetton
Nach einer kurzen Erholungspause ging es weiter mit dem selten gezeigten Film »Scent of Mystery«, der schon als Trash angekündigt wurde.
Scent of Mystery / Holiday in Spain
Ein Krimiautor (Denholm Elliott, bekannt aus Indiana Jones 1 und 3) auf Urlaub in Spanien entdeckt ein Mordkomplott und versucht die Tat zu verhindern. Dabei wird er von einem Taxifahrer (Peter Lorre) unterstützt. Nachdem Unklarheiten bezüglich der Identität von Opfer (Beverly Bently) und Täter beseitigt sind, gelingt das sogar.
Der Film ist das einzige Werk in SMELL-O-VISION mit der denkwürdigen Reklame »First they moved! ... Then they talked! ... Now they smell!« Dazu sollte ursprünglich eine Apparatur entspechend den Szenen die jeweiligen Gerüche in den Saal pusten. Das hat wohl nie funktioniert.
Dass der Film ein Flop wurde, lag aber sicher nicht an den fehlenden Wohlgerüchen, er hat einfach zu viele Mängel: man konnte sich nicht entscheiden, ob man ein sog. Travel Logue drehen wollte, eine Komödie oder doch einen Krimi. Als Ergebnis hat man z. B. eigentlich spannend anzuschauende Verfolgungsjagden, die mit Musik unterlegt sind, die besser in einen Laurel und Hardy Film gepasst hätte. Dazu kommt ein schwaches Drehbuch und schwache Darsteller; am besten schlägt sich noch Peter Lorre mit seinen One-Linern (»Auf den Madrid-Express ist Verlaß. Pünktlich wie immer mit 20 Minuten Verspätung.«). Dass der Sekundenauftritt von Diana Dors auf dem Plakat erwähnt wird, ist Etikettenschwindel.
Erstaunlich, wie man mit so guten Zutaten (Jack Cardiff als Regisseur, Gastauftritt von Elizabeth Taylor, interessante Drehorte in Spanien) so einen schwachen Film drehen kann. Ein Jammer, dass dafür 65mm-Negativ-Material verschwendet wurde, während Out of Africa nichtmal in Cinemascope gedreht wurde ... Bei manchen Filmen ist es vielleicht gut, dass sich das Material zersetzt.
»Scent of Mystery« / »Holiday in Spain« (USA 1960)
Darsteller: Denholm Elliott (Oliver Larker), Peter Lorre (Smiley), Beverly Bentley (The Decoy Sally) und als Gast Dianna Dors (Winifred Jordan)
Buch: Gerald Kersh, William Rose nach einer Geschichte von Kelley Roos
Fotografie: John von Kotze
Montage: James E. Newcom
Musik: Harold Adamson, MarinoNascimbene, Jordan Ramin
Regie: Jack Cardiff
aufgenommen in 65mm Todd-AO, englischsprachige Erstaufführungskopie in 70mm mit deutschen Untertiteln, 6-Kanal Stereo-Magnetton
14:30 Kaffeepause
Immerhin hat »Scent of Mystery« für viel Gesprächsstoff in der Pause gesorgt. Frisch gestärkt ging es weiter mit der mit Spannung und Vorschlußlorbeeren bedachten Kopie aus Skandinavien von »Cheyenne Autumn«.
Cheyenne Autumn
Den Cheyenne Indianern wurde ein trostloses Gebiet als Reservat zugewiesen; noch dazu hat sie die Regierung offensichtlich vergessen: überlebensnotwendige Versorgungslieferungen bleiben aus. Als dann auch noch der ankgekündigte Besuch von Kongreßabgeordneten mit fadenscheiniger Begründung abgesagt wird, platzt den Indianern der Kragen. Unter Führung von Little Wolf (Ricardo Montalban) und Dull Knife (Gilbert Roland) brechen sie aus und machen sich auf den Fußmarsch in ihre viele hundert Kilometer entfernte Heimat. Dorah Wright (Carroll Baker), die eine Schule für die Indianerkinder geleitet hatte, begleitet ihre Schützlinge, unterstützt von Dull Knifes Ehefrau, die nach ihrer Herkunft Spanische Frau (Dolores del Rio) genannt wird.
Natürlich soll die Kavallerie die Aufständischen einfangen und zurückbringen. Keine leichte Aufgabe für Captain Archer (Richard Widmark), seinen Trupp und den ungestümen Lt. Scott (Patrick Wayne). Während Archer auf Deeskalation aus ist, versucht Scott aus Rache für seine getöteten Eltern die Indianer zu töten.
Nach vielen Entbehrungen und vom kalten Winter entkräftet, beschließt ein Teil der Indianer aufzugeben. Sie geraten in die Gefangenschaft von Captain Vessels (Karl Malden), der stur seine Befehle befolgt, die Indianer in eine unbeheizte Baracke sperrt und sie damit in Lebensgefahr bringt. Captain Archer kann das nicht mitansehen und macht sich auf den Weg nach Washington, um den Innenminister (Edward G. Robinson) um Hilfe zu bitten. Ob das rechtzeitig gelingt? Mehr verrate ich nicht.
Cheyenne Autumn hat mich tief beeindruckt. Gute Geschichte, großartige Landschaftsaufnahmen, gute Schauspieler. Neben Widmark, Malden, Montalban und Roland überzeugt auch Mike Mazuriki als Sergant (einer der Nebendarsteller, die man immer wieder sieht, aber nie weiß, wie sie heißen).
Gut gefallen haben mir die kleinen komischen Szenen, z. B. dass Captain Archer zwar den Namen seines ersten Kundschafters Plumtree (Ben Johnson) kennt, den zweiten mit Namen Smith (Harry Carey jr.) mal als Jones oder Murphy ruft. Völlig unpassend und zusammenhangslos fand ich das zum Brüllen komische Intermezzo in Dodge City mit James Stewart als Wyatt Earp und Arthur Kennedy als Doc Holliday. James Stewart soll gesagt haben, dass Ford das alternativ zu einer Pause gedacht hätte. Bei einer Filmlänge von 159 Minuten nicht sehr sinnvoll.
Die Kopie war perfekt erhalten, kristallklares Bild mit perfekten Farben, was die großartigen Landschaftsaufnahmen voll zur Geltung brachte. Dieser wie aus einer Zeitmaschine gezogene Streifen demonstrierte, was 70mm zu leisten vermag. Was würde ich für eine Kopie von »Lawrence of Arabia« in der Qualität geben!
»Cheyenne Autumn« (USA 1964)
Darsteller: Richard Widmark (Captain Archer), Karl Malden (Captain Wessels), Ricardo Montalban (Little Wolf), Carroll Baker (Deborah Wright), Dolores del Rio (spanische Frau), Arthur Kennedy (Doc Holliday), James Stewart (Wyatt Earp), John Carradine (Major Blair), Patrick Wayne (Lt. Scott), Edward G. Robinson (Innenminister), Denver Pyle (Senator), Harry Carey jr. (Smith), Ben Johnson (Plumtree)
Buch: James R. Webb
Fotografie: William H. Clothier
Montage: Otho Lovering
Musik: Alex North
Regie: John Ford
aufgenommen in 65mm Super Panavision, englischsprachige Erstaufführungskopie in 70mm mit deutschen und schwedischen Untertiteln, 6-Kanal Stereo-Magnetton

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