Freitag, 8. Oktober 2010

Bericht vom 6. Todd-AO-Festival 2010

Vom 1. bis 3. Oktober 2010 trafen sich die 70mm-Filmfans in der Karlsruher »Schauburg«

Foto Eingang Schauburg Karlsruhe

Freitag, 1. Oktober 2010

9.00 Uhr Welcome

»Ach, die üblichen Verdächtigen! Guten Morgen.« Man begrüßt lange nicht gesehene Festivalbekanntschaften, holt sich vom bereitstehenden Tee oder Kaffee, blättert im umfangreichen Programmheft, unterhält sich über die Filme, die man sehen wird. Und wundert sich über die Kinder, die durch die Gänge wuseln.

Damit der Nachwuchs nicht ausbleibt, hat »Schauburg«-Leiter Herbert Born einige Schulklassen zu »Dr. Dolittle« eingeladen. Nach der gelungenen Einleitung durch Udo Heimansberg (Düsseldorfer Filmkunstkinos), der extra eine deutsche Erstausgabe des Buchs von Hugh Lofting und eine Schallplatte mit dem Soundtrack mitgebracht hat, geht es los.

Dr. Dolittle

Matthew Mugg (Anthony Newley, synchronisiert von Harald Juhnke) zeigt nach einem Rundgang durch das Küstenstädtchen Puddelby dem kleinen Tommy Stubbins (William Dix) die Tierarztpraxis seines Freundes Dr. Dolittle (Rex Harrison, synchronisiert von Friedrich Schoenfelder), der fast 500 Tiersprachen von seinem Papagei Polynesia gelernt hat. In der Praxis wimmelt es von Tieren: ein Schimpanse kocht, der Papagei fungiert als Sprechstundenhilfe, im Wohnzimmer steht ein die Sofafüllung verspeisendes Pony, in den Schubladen hausen Mäuse, auf dem Bücherregal nisten Vögel.

Neben seinen Sprechstunden und Tiersprachstudien träumt der Doktor davon, die rosa Riesenseeschnecke zu finden. Als ihm ein Freund ein seltenes Tier schenkt, das Stoßmich-Ziehdich, ist endlich die Gelegenheit gekommen. Dolittle verdingt sich bei einem Zirkus, um mit der Zurschaustellung des Stoßmich-Ziehdichs seine Suchexpedition zu finanzieren. Nach Problemen mit der Justiz wegen der Befreiung einer Seehunddame flüchtet Dolittle mit Mugg, Stubbins und Emma Fairfax (Samantha Eggar) mit einem Boot aufs Meer und macht sich auf die Suche nach der Schnecke.

Nach Sturm, vielen Liedern, Schiffbruch, Rettung durch eine schwimmende Insel (die wiederum von einem Wal gerettet wird) findet Dolittle die Riesenschnecke, alle kehren heim und leben glücklich bis an ihr Ende.

Dr. Dolittle ist ein unterhaltsamer Film mit witzigen Dialogen, langweiligen Liedern und für heutige Sehgewohnheiten unglaublich schlechten oscarprämierten Spezialeffekten (Wal, Schnecke, Fuchsmutter, Maus, die die Fesseln durchnagt). Friedrich Schoenbergs Sprechgesang wäre nicht nötig gewesen; ebenso die Rolle Samantha Eggars. Anthony Newleys Leistung ist Geschmackssache. Sir Richard Attenborough habe ich in seiner Maske als Zirkusdirektor nicht erkannt. Die Ausstattung ist großartig, das Städtchen, die Tierarztpraxis mit ihren vielen echten Tieren - überall gibt es viel zu entdecken. Das hat wohl auch den Schülern gefallen, die erstaunlich ruhig 150 Minuten durchgehalten haben.

Ich fand das Bild der Kopie extrem scharf, die Farben verblaßt mit leichtem Rotstich, der Ton war etwas höhenlastig, die Lieder mit unnötig viel Hall versehen. Immer noch sehenswerter Film, wenn auch ein bischen zu lang.


Plakat 10.00 Uhr

»Doktor Dolittle« (USA 1967)
Darsteller: Rex Harrison (Dr. Dolittle), Anthony Newley (Matthew Mugg), Samantha Eggar (Emma Fairfax), Richard Attenborough (Albert Blossom)
Buch: Leslie Bricusse nach den Geschichten von Hugh Lofting
Fotografie: Robert Surtees
Montage: Samuel E. Beetley, Marjorie Fowler
Musik: Leslie Bricusse
Regie: Richard Fleischer
Oscar für Visual Effects (L. B. Abott) und Best Song (Leslie Bricusse, Talk to the animals)
aufgenommen in 65mm Todd-AO, deutsche Erstaufführungskopie in 70mm mit 6-Kanal-Stereo-Magnetton


13.00 Uhr Kaffeepause

Nach einer kurzen Kaffeepause gings weiter. Wolfram Hannemann (Laserhotline.de) hatte zu allen Filmen interessante Infos zusammengestellt, die er auf Deutsch und Englisch vortrug.

Circus World

Besteht hauptsächlich aus gut gefilmten Zirkusnummern, die auch heute noch beeindrucken. Dazu gibt es eine lückenhafte Rahmenhandlung (War das Feuer gelegt? Wieso ist der Schwager Hayworths plötzlich gut statt böse?) mit John Wayne als alleinerziehendem Pflegevater von Claudia Cardinale auf der erfolgreichen Suche nach deren Mutter und seiner Ex-Geliebten Rita Hayworth. Nebenbei sinkt ein Schiff, Zirkuszelte brennen ab und ein Zirkusprogramm wird aufgebaut.

Wayne spielt seine typische Rolle und schafft es, auch als Zirkusdirektor Stetson, Cowboyhemd, Stiefel und Sporen zu tragen. Natürlich gibt es in den gezeigten Shows umfangreiche Wildwest-Nummern, damit er auch reiten und von der Postkutsche herunter schießen kann. Claudia Cardinale hat mir sehr gut gefallen. Als Artistin wirkt sie überzeugend (ob sie einen Teil der Nummern selbst gemacht hat?), lediglich ihr gebrochenes Englisch wirkt bei der Rolle als Adoptivtocher John Waynes etwas unglaubwürdig. Rita Hayworth hat mir gefallen, ihre Rolle fand ich zu kurz.

Das einzige Musikstück, das meiner Meinung nach überhaupt nicht gepaßt hat, war die Weichspülerreklame, die Dimitri Tiomkin als Titelmusik verbrochen hat. Klang genauso wie »Greensleeves of Summer« aus »Alamo«.

Die Kopie war etwas bunter, im direkten Vergleich zum auf 65mm Negativ aufgenommenen »Dr. Dolittle« etwas weniger scharf. Der Ton hat mir gut gefallen.


Plakat 14.00 Uhr

»Circus World« (USA 1964)
Darsteller: John Wayne (Matt Maters), Rita Hayworth (Lili Alfredo), Claudia Cardinale (Toni Alfredo)
Buch: Ben Hecht, Julian Zimet, James Edward Grant nach einer Vorlage von Philip Yordan und Nicholas Ray
Fotografie: Jack Hildyard
Montage: Dorothy Spencer
Musik: Dimitri Tiomkin
Regie: Henry Hathaway
aufgenommen in 35mm Super Technirama 70, englischsprachige Erstaufführungskopie in 70mm mit 6-Kanal Stereo-Magnetton


17.30 Uhr

Vortrag: 70mm Formats for Beginners

Thomas Hauerslev

Thomas Hauerslev, gern als Indiana Jones (oder Mutter Theresa) des 70mm-Films bezeichnet, präsentierte die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die es gibt bzw. gab, um ein möglichst breites und gutes Bild auf die Leinwand pardon Bildwand zu bringen. Danach wurde ein Filmteil gezeigt, der in 65mm gedreht war, zum Vergleich danach ein Blow-Up von einem 35mm-Negativ. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Bei der Gelegenheit ein Hinweis auf DIE Website zu 70mm-Film: Thomas Hauerslevs in70mm.com.

19.00 Uhr Imbiss

Wie bestellt hatte sich das Wetter zum Abendessen so weit gebessert, dass man draußen sitzen konnte. Mit Gulaschsuppe, Gyros, Kartoffeln und Salat gestärkt konnte es nach einer schönen längeren Pause weitergehen.

Indiana Jones and the Temple of Doom

Den Film kennt sicher jeder. Meiner Meinung nach der kurzweiligste, spannendste und gruseligste Teil der 4 Indy-Filme mit der längsten, unsinnigsten Achterbahnfahrt der Filmgeschichte in einem Bergwerk, das unter einem Lavasee liegt.

Die Kopie war von guter Qualität, schöne Farben, wenn auch als Blow-Up nicht ganz so scharf wie Dr. Dolittle. Die aus England stammende Fassung war um etwa anderthalb Minuten gekürzt, um eine PG-Freigabe zu bekommen.


Plakat 20.00 Uhr

»Indiana Jones and the Temple of Doom« (USA 1984)
Darsteller: Harrison Ford (Indiana Jones), Kate Capshaw (Willie), Ke Huy Quan (Short Round), Amrish Puri (Mola Ram)
Buch: Williard Huyck, Gloria Katz
Fotografie: Douglas Slocombe
Montage: Michael Kahn
Musik: John Williams
Regie: Steven Spielberg
Oscar für Visual Effects (George Gibbs, Michael McAlister, Dennis Muren, Lorne Peterson
aufgenommen in 35mm Panavision Anamorphic, englischsprachige Erstaufführungskopie in 70mm mit 6-Kanal Stereo-Magnetton


22.00 Uhr Get together mit Hoepfner Bier

Nach dem doch etwas lauten Mr. Jones konnte man bei einem frisch gezapften Bier entspannen und fachsimpeln. Es gab auch die Möglichkeit, einen Blick hinter die Leinwand Bildwand auf die neuen Alcon-Lautsprecher zu werfen. Ein schöner Tagesausklang.

zur Fortsetzung

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  1. Im Kino gesehen 18/10/2010 um 10:47
    Fortsetzung des Beitrags »Bericht vom 6. Todd- ...« Samstag, 2. Oktober 2010 9.00 Uhr Frühstücksbuffet Zu Hause einen schnellen Kaffee gekippt, ins Auto gesprungen und ab zum Frühstücksbuffet am Samstagmorgen. Warum gibt es in der Schauburg

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