Freitag, 3. September 2010

Mary und Max

Max: »Als ich jung war, erfand ich einen unsichtbaren Freund namens Mr. Ravioli. Mein Psychiater hat gesagt, dass ich ihn nicht nicht mehr brauche. Seitdem sitzt er in der Ecke und liest. «

Plakat »Mary und Max«
(Mary and Max, Australien 2009)
Stimmen: Helmut Krauss (Max), Gundi Eberhard (Mary), Valentina Bonalana (Mary jung), Boris Aljinovic (Erzähler)
Buch und Regie: Adam Elliot
Fotografie: Gerald Thompson
Schnitt: Bill Murphy
Musik: Dale Cornelius

Die kleine Mary hat erzählt bekommen, dass in ihrer Heimat Australien die Babies in Biergläsern gefunden würden. Neugierig möchte sie wissen, wie das wohl im fernen Amerika ist. Sie sucht sich aus dem Telefonbuch beim Postamt irgendeinen Namen aus, notiert sich die Adresse und verfasst einen langen Brief an einen gewissen Max Jerry Horovitz in New York.

Sie erzählt von ihrem Vater, der in einer Fabrik die Fäden an Teebeutel heftet und in seiner Freizeit Vögel ausstopft, die er überfahren neben dem Highway findet. Ihre Mutter sei hauptsächlich damit beschäftigt, ein Getränk namens Sherry ausgiebig zu verkosten. Und dass sie - Mary - keine Freunde hätte.

Der überraschte Max setzt sich an seine Schreibmaschine und verfasst eine ausführliche Antwort. Er sei 44 Jahre alt, Single und deshalb wisse er mit den Babies nicht genau Bescheid; soweit ihm bekannt schlüpften die in Amerika aus Eiern, die von Rabbinern ausgebrütet würden, bei christlichen Kindern von Nonnen und bei den Atheisten von Frauen mit zweifelhaftem Lebenswandel.

Nebenbei erzählt er von seinen erfolglosen Besuchen bei den Weight-Watchers, von den Ratschlägen seines Psychiaters und dass die Leute in New York ständig überall Zigarettenkippen wegwerfen würden, die er aufsammle, dass er auch keine Freunde habe und ob Mary seine Freundin sein möchte.

Natürlich schreibt Mary sofort eine Antwort an Max. So ergibt sich über die Jahre ein intensiver Briefwechsel, in dessen Verlauf die beiden eine Menge über das Leben des anderen erfahren.

Normalerweise schaue ich mir keine Trickfilme an; Schauspieler sind mir lieber. In »Mary und Max« bin ich eher zufällig geraten – und wurde völlig überrascht. Die tragikomische Handlung hat den Saal oft vor Lachen zum Beben gebracht (an vielen Stellen bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken), während man gegen Ende ins Schniefen kommt. Obwohl es doch »nur« um Knetfiguren geht, die im altmodischen Stop-Motion-Verfahren aufgenommen wurden. (im Durchschnitt entstanden zweieinhalb Filmminuten PRO WOCHE!)

Ich habe gestaunt über die Fülle der skurilen Einfälle: die Teebeutelfabrik, Grabsteininschriften wie »Always merry, killed by Sherry«, die windschiefe Skyline von New York, die fast schwarzweiße Darstellung, nur mit kleinen Farbtupfern versehen (Lippenstift, die Bommel der Mütze), die verschrobenen Nachbarn ...

Unter den leisen Filmen vermutlich der beste Film des Jahres. 5 von 5 Sternen. Unbedingt anschauen! (Für Kinder ist der Film meiner Meinung nach nicht geeignet)

Sehenswert ist auch die Website zum Film, die interessante Einblicke hinter die Kulissen gewährt.

Weitere Kritiken bei der Schnittmeisterin, bei Kino-Zeit.de, der Filmgazette und auf Marcus' kleiner Filmseite.

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