Montag, 16. März 2009

Ben-Hur

Den Film hat vermutlich jeder einmal im Fernsehen gesehen, deswegen verkneife ich mir hier eine Inhaltsangabe und die ganzen üblichen Infos. Kann man ja bei Wikipedia und in der IMDB nachlesen. Ich beschreibe einfach meine Eindrücke von der Vorführung.

Ich war zum ersten Mal im Kino des Frankfurter Filmmuseums. Und ich war erst einmal enttäuscht. Der Saal ist vergleichsweise winzig (142 Plätze) und die Leinwand mit ca. 3 x 7 m erscheint auch klein. Ein paar Reihen hinter mir bemerkte eine Frau sehr passend: »das ist die kleinste Leinwand, auf der ich einen 70mm Film gesehen habe«. Als der Film anfing, hat sich dieser Eindruck relativiert. Die Leinwand ist gar nicht so klein, das ist nur der erste Eindruck, weil man bei 70mm-Festivals oft große Säle mit > 700 Plätzen erlebt (wobei die für die Blütezeit des Kinos auch schon eher mittelgroß sind ...)

Überwältigend war der Ton. Von allen alten Filmen, die ich bisher gesehen habe, war das mit Abstand der schönste Klang. Wobei mir die Musik etwas zu, hm, überladen ist. Die Fanfare zu den main titles ist allerdings die beeindruckendste, die man sich vorstellen kann.

Bei den ersten Szenen fand ich es ziemlich ungewohnt, dass die römischen Legionäre ihre Kommandos auf amerikanisch brüllen. Von der Tondynamik bei den Dialogen war ich begeistert. Wie immer ist es ein Riesenunterschied, ob jemand seinen Text im Synchronstudio liest oder die Rolle tatsächlich spielt. Gerade Stephen Boyd als Messala liefert eine großartige Leistung. Überhaupt fand ich alle Stimmen viel, hm, passender. In der deutschen Synchro klingen viele Stellen ziemlich schmalzig. Das war im Original nicht so (oder es kam mir so vor).

Die Farben waren kräftiger, als ich erwartet hatte. Dafür war das Bild in der Breite beschnitten, was bei einigen wenigen Szenen störend war. Bei Dialogen stehen die Darsteller zum Teil extrem weit aussen und manchmal war sogar eine Hand oder der Kopf ausserhalb des Bildes. Schade.

Die Erklärung dazu habe ich nicht ganz verstanden, mal sehen, ob ich die nochmal zusammenbekomme: gedreht wurde damals im Format »MGM Camera 65«, was ein Bildverhältnis im Kino von 2,76:1 (zum Vergleich Cinemascope ist 2.35:1) ergibt. Weil das Format zur Zeit der Restaurierung in den meisten Kinos nicht mehr gespielt werden konnte, hat man die Ränder rechts und links beschnitten. Hmpf.

Trotz alledem fand ich den Film beeindruckend und war froh, nach Frankfurt gefahren zu sein. Nicht zuletzt, weil ich dort einige Herren vom Filmvorführer-Forum zum erstenmal »in Echt« kennengelernt habe.

Gespeichert unter Filmkritiken   •   Noch keine Kommentare   •   Kommentar schreiben

Trackback-URL für diesen Eintrag

0 Kommentare zu "Ben-Hur"

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Noch keine Kommentare

2 Trackbacks zu "Ben-Hur"

  1. Im Kino gesehen 17/08/2010 um 15:41
    Vorderseite Nachdem ich in Frankfurt im Filmmuseum Ben-Hur gesehen hatte, spukte mir diese Fanfare im Kopf herum. Bei der Suche nach dem Soundtrack von Miklós Rózsa habe ich festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, eine vernünftige Ausgabe zu beko
  2. Im Kino gesehen 19/08/2010 um 11:19
    Wer sich wie ich darüber geärgert hat, das die 70mm-Retrospektive bei der Berlinale zu weit weg war, hatte die Chance, einen Teil der Beiträge vom 13. bis 17. März 2009 unter dem Motto »Bigger than life« im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt a.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.