Mittwoch, 12. Oktober 2011

Bela - Tragik einer Liebe
Ein russischer Offizier wird in eine öde Kosakenfestung am Ende der Welt versetzt. Er verliebt sich in die Fürstentochter Bela, die er kurzerhand rauben lässt und in der Festung versteckt. Mit Kleidern und Schmuck versucht er, die Gefangene von seiner Liebe zu überzeugen. Währenddessen sucht ihr Vater verzweifelt nach ihr.
Bela zeigt uns Russland so, wie wir es uns vorstellen: Halbwilde Eingeborene zeigen Reiterkunststücke, die dynamisch in Nahaufnahmen gefilmt wurden, Kosaken singen zu Balalaika und rhythmisch geschlagenen Löffeln, dazu atemberaubend wilde Landschaften mit schneebedeckten Bergen und reißenden Flüssen.
Alle Massenszenen sind sorgfältig inszeniert. Selbst der Statist in der hintersten Ecke spielt seine Rolle perfekt. Einzig die frisch gewaschenen und gestärkten Kostüme stören ein wenig. Die endlose Kamerakreisfahrt beim langen Monolog des Hauptdarstellers gegen Ende des Stückes war erstaunlich.
Ein beeindruckendes, bedächtig daherkommendes Werk mit melancholischer Filmmusik (Cello-Soli von Rostropowitsch!) Die Bildqualität der gezeigten Kopie war für 70mm mäßig.
Die größte Geschichte aller Zeiten

Sollte in »Die statischste Geschichte aller Zeiten« umgetauft werden. Bei dieser Jesus-Verfilmung scheint man allen Statisten bei Strafe jede Bewegung verboten zu haben. Jede Szene wäre als Standbild perfekt, als Film ist es einschläfernd. Für mich war nur die Musik Alfred Newmans ein Lichtblick. Der Einsatz von Händels Halleluja allerdings unpassend. Genauso problematisch die Besetzung von Pilatus mit Kojak Teddy Savalles, der als Einziger in normalen Sätzen spricht (Wie - er soll über Wasser gelaufen sein? Raus!). John Wayne als Zenturio geht überhaupt nicht. Charlton Heston als Johannes der Täufer mit vertraut wirkenden Lendenschurz wirkt fehl am Platz. Auch Sidney Poitier, der plötzlich aus der Menge auftaucht und das Kreuz tragen hilft, irritiert. Max von Sydow liefert als Jesus eine gute Leistung, kann den Film aber nicht retten.
Während der ganze Film grandiose Landschaftsaufnahmen von Utah und Arizona (?) zeigt, die allerdings überhaupt nicht wie Palästina aussehen, wurde die Kreuzigungsszene auf einem Hügelchen in einer Besenkammer von Studio gedreht. Vielleicht war da der Geldhahn zugedreht worden.
Die Synchronisation ist grauenvoll; entweder gibt es keinerlei Nebengeräusche und die Sprecher klingen, als stünden sie in einem schalltoten Tonstudio, oder die pathetischen Bibelzitate sind mit einem seltsamen Hall unterlegt.
Die Schärfe der gezeigten Kopie war in Ordnung, die Farben weitgehend in das bekannte rosa umgeschlagen.
Vortrag »From Biograph to Fox Grandeur«
Wie hat es ein Filmvorführerforenteilnehmer beschrieben? Kevin Brownlow kam, sprach und ging. Schade, dass es nach seinem interessanten Vortrag keine Fragemöglichkeiten gab. Der anschließend gezeigte Ausschnitt aus »Napoleon« mit seinem dreigeteilten Bild bewies, wie experimentierfreudig die Stummfilmzeiten waren. Mal zeigten alle drei Bilder verschiedenen Perspektiven der Handlung, dann wurde alles für ein Cinerama-artigen Gesamtbild genutzt oder in den äußeren Panels lief die gleiche Szene spiegelverkehrt.
The Bat whispers
Dazu kann ich wenig schreiben, weil mich da die Müdigkeit übermannt hat. Charmant naive Trickszenen, komische Szenen und eindrucksvolle Schattenspiele habe ich am Rande mitbekommen.

Missouri
Ein junger (Ryan O‘Neil) und ein älterer Cowboy (William Holden) haben vom harten Ranchalltag die Nase voll und rauben eine Bank aus. Auf der endlosen Flucht werden sie nicht nur von Gesetzeshütern, sondern auch von den Söhnen des Ranchers (Karl Malden) verfolgt.
Für mich die Entdeckung des Festivals. Der einzige Western von Regisseur Blake Edwards glänzt mit einem perfekten Drehbuch, pointierten Dialogen, ausgezeichneter Bildgestaltung und großartiger Musik von Jerry Goldsmith (habe mir gleicht den Soundtrack bestellt). Noch nie hat man schönere Bilder vom Zureiten eines Pferdes im Schnee gesehen. Sicher wurde vieles vom Stuntman gemacht. Trotzdem ist in vielen Einstellungen klar zu erkennen, dass auch William Holden auf dem bockenden Gaul sitzt.
Die gezeigte Blow-Up-Kopie hatte leider ein unterirdisch körniges, matschiges Bild.
Sheherazade - Der goldene Löwe von Bagdad
Kreuzritter befreien die Prinzessin Scheherazade (Anna Karina) aus der Hand von Wüstenräubern und bringen sie sicher zum Kalifen Harun al Raschid. Der will aus drei sich bewerbenden Prinzessinnen eine Braut aussuchen und wählt Scheherazade. Die hat sich jedoch in einen der Kreuzritter (Gérard Barray) verliebt ...
Scheherazade strotzt von dämlichen Dialogen und mäßigen Schauspielerleistungen. Und bei der hanebüchenen Geschichte hätte ohne vorherige Ankündigung niemand bemerkt, dass ein kompletter Akt fehlte. Immerhin verschwindet auch das Cleopatra-hafte Make Up der Hauptdarstellerin bei der Flucht durch die Wüste.
Die gezeigte Auswahlprozedur könnte aus einem RTL2-Programm stammen: Der weise Al-Faki stellt jeder Dame eine Frage, erklärt anschließend alle für gleich schlau und sich selbst als ratlos. Daraufhin soll mit einer glöckchenbesetzten lebensgroßen Schablone, die die Silhouette einer orientalischen Tänzerin zeigt, die Schönheit der Damen gemessen werden. Später wird die Prinzessin in den »Turm des Vergessens« geworfen, nur um 2 Tage später zur Hinrichtung geführt zu werden. Das alles wurde vom Publikum mit schallendem Gelächter begleitet.
Abgesehen vom üblichen Rotstich war die Bildqualität gut. Erstaunlich, welche Details der (wieder einmal) porentief reinen Kostüme zu sehen waren. Ein Akt war farblich fast perfekt erhalten. Vielleicht war die fehlende Rolle noch besser und ist deshalb verschwunden?
Dance Craze
Ausschließlich in britischen Clubs gedrehter Konzertmitschnitt von damals angesagten Ska-Bands. Wer nie bei so einem Konzert war, bekommt hier einen guten Eindruck. Die Musik ist Geschmackssache.
Hamlet
Die erste Verfilmung, die den ungekürzten Text auf die Bildwand bringt. Und der letzte Spielfilm, der auf 65mm gedreht wurde. Dementsprechend waren die Farben perfekt, die Schärfe des Materials unglaublich. Von den Zahnbelägen des Darstellers von Hamlets Vater bis zu jedem Pickel von Kate Winslet war alles schonungslos deutlich zu sehen.
Leider agierten viele der Theaterdarsteller so überzogen wie auf der Bühne, wo man jede Gefühlsregung auch noch auf dem zweiten Rang erkennen soll. Bei den vielen unnötigen Kamerafahrten war ich erstaunt, dass bei all den Spiegeln am Set nie jemand von der Crew zu sehen war. Vermutlich hat man bei allen Nahaufnahmen mit Teleobjektiven gearbeitet; die Schärfentiefe war entsprechend mau.
Die vielen Stars in Nebenrollen fand ich eher störend (Judi Dench, Billy Crystal als Totengräber, Jack Lemmon als Palastwache). Meister Branagh fand ich trotz seiner gruselig blondierten Haare sehr, sehr beeindruckend. Ein Jammer, dass ich bei der Sprechgeschwindigkeit nur wenig von den englischen Dialogen verstanden habe. Trotzdem wurden mir die vier Stunden nicht zu lang. Muss ich bei Gelegenheit als DVD mit Untertiteln ansehen. Oder mir den Text besorgen.
A Chorus Line
Ein Kotzbrocken von Choreograph (Michael Douglas) wählt für die nächste Produktion Tänzer aus. Das ist schon die ganze Handlung, die sich hauptsächlich auf der Theaterbühne und in ein paar Nebenräumen abspielt. Besonders die männlichen Tänzer zeigen atemberaubende Leistungen. Die Gesangsnummern (glücklicherweise nicht synchronisiert) waren nicht mein Fall. Der Schwerpunkt bei der Darstellerauswahl lag eindeutig auf tänzerischen Fähigkeiten. Die in den achtziger Jahren eingespielte Popmusik klingt für heutige Verhältnisse verdammt alt.

wird fortgesetzt und ergänzt